Alltag,  Zeitgedanken

Sind wir nicht alle ein bisschen „carola“?

Viele Dürresommer später wird es vielleicht in virtuelle Wortverzeichnisse eingehen: Mir ist heute so „carolabrüchig“, abgeleitet von „carolabrückig“, einer Brückin mit Betonparese, nein, Stahlparodonthose.

Über 50 Jahre mitten in der Gesellschaft, mit 53 über Nacht zusammengeklappt, nach so vielen Jahren dienstunfähig aufgrund schlechter Vor- und fehlender Nachsorge. Zum Pflegefall gebracht durch Zeit, Wetter, Leben und harten Alltag. Eine Kassenpatientin, deren AZ am Geldmangel krankte, die ihre Fall-Entscheidung selbst treffen musste. Sie hat Millionen über den Fluss der Zeit gebracht, Regierungen überdauert, Wendepunkte erlebt bis zur Diagnose: Ups, da geht gar nichts mehr. Dann zu viel Wasser für eine Prothese, da hilft nur noch Amputation, ach nee, drei Bomben – Tumore, die ein Leben lang friedlich blieben. Keine Kassenleistung in Sicht bei Pflegegrad 200. Viel zu spät verrentet, wurde sie direkt zur Palliativpatientin, ein brüchiger Hospizfall ins Fluss-Bett. Selbst zur Obduktion fehlen Mittel und Personal. Am Ende nur noch ein Frage von Sicherheit und Verantwortung, quasi ein Versicherungsfall.

Wenn Lieschen Müller aufgrund ihrer Osteoporose nachts zusammenbricht und nach Tagen, Nächten, Wochen leblos aufgefunden wird, gibt es weniger öffentliche Empörung. Dabei sind wir wohl genau deshalb alle ein bisschen „carola“.

Bildquelle: Von Bybbisch94 – Eigenes Werk, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=155619247